Allergie - was ist allergischer Schnupfen?

                            

Der allergische Schnupfen bzw. die allergische Rhinitis (griech. Rhin = Nase) kann über einen bestimmten Zeitraum, also z.B. saisonal zur Pollenflugzeit, oder auch ständig (perennial) auftreten. In der durchgehenden, ganzjährigen Form wird der allergische Schnupfen meist durch Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilzsporen ausgelöst. In allen Fällen handelt es sich um eine allergische Reaktion vom Sofort-Typ (Typ-1). Seltener wird eine allergische Rhinitis als Fernreaktion durch eine Allergie gegen bestimmte Lebensmittel verursacht.

         

Der allergische Schnupfen zählt zu den Hauptsymptomen vieler allergischer Erkrankungen. Alle Allergieformen sind auf die gleichen Abläufe im Körper zurückzuführen: Das Immunsystem reagiert überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe der Umwelt, so genannte Allergene.

         

Allergien kann man inzwischen als Volkskrankheit bezeichnen. 20% der Erwachsenen sowie 13% der Kinder leiden an einer Pollenallergie (Heuschnupfen). Von Allergien insgesamt sind etwa 20% der Kinder sowie 25% der Erwachsenen betroffen. Die Tendenz ist steigend; 1960 gab es nur 3% Allergiker, nach Schätzungen von Wissenschaftlern wird in wenigen Jahrzehnten statistisch weltweit jeder Mensch an einer Allergie leiden.

 

Wie entsteht eine Allergie?

                            

Unser Immunsystem kann normaler Weise zwischen körpereigenen und nicht körpereigenen Stoffen unterscheiden. Auf diese Weise bekämpft es gezielt Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, in dem es deren Zelloberflächenstoffe (Antigene) erkennt und dagegen spezifische Antikörper produziert. Bei einem ersten Kontakt wird das Immunsystem für den Erreger sensibilisiert, d.h. in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Kommt es zu einem zweiten Kontakt, ist der passende Antikörper bereits vorhanden, er kann den Erreger sofort unschädlich machen (Immunität) und somit eine (erneute) Erkrankung abwehren.

         

Bei diesem Prozess treffen die Antikörper auf andere Abwehrzellen, die Mastzellen. In den Bläschen der Mastzellen befinden sich Botenstoffe, wie z.B. das Histamin. Die Mastzellen haben auf ihrer Oberfläche so genannte Rezeptoren, mit denen sie Antikörper an sich binden können. Ein Antikörper sieht wie ein „Y" aus, mit dem unteren Teil dockt er an die Mastzelle, die beiden oberen Teile setzen die Antigene fest und bringen auf diese Weise die Botenstoffe aus der Mastzelle zur Ausschüttung.

         

Aus bislang nicht vollständig geklärter Ursache reagiert das Immunsystem bei Allergikern auf harmlose Stoffe in unserer Umwelt als wären es Krankheitserreger. Es kann nicht mehr zwischen schädlichen sowie unschädlichen Substanzen unterscheiden und gerät sogar außer Kontrolle. Das Immunsystem reagiert überaktiv, es kommt zu einer übermäßigen Ausschüttung von Botenstoffen, speziell Histaminen. Das an sich harmlose Antigen wird somit zum Allergen. Meist entstehen die allergischen Beschwerden erst bei wiederholtem Kontakt mit dem Stoff, d.h. der Körper wird beim ersten Mal genauso sensibilisiert, als ob er es mit einem Krankheitserreger zu tun hat.

         

Grundsätzlich kann jeder Bestandteil in der Umwelt zum Auslöser einer Allergie werden. Meist sind es keine künstlichen Substanzen, sondern Dinge aus der Natur. Insgesamt sind nach Schätzungen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes etwa 20.000 verschiedene Allergene bekannt, zu denen neben den Auslösern für einen allergischen Schnupfen auch Metalle, insbesondere Nickel sowie Chemikalien, z.B. Konservierungsstoffe, Waschmittel oder Substanzen in Medikamenten gehören. Sie alle reizen den Körper auf verschiedenen Wegen mit unterschiedlichen Symptomen.

         

Am häufigsten reagieren die Haut und Schleimhäute des Körpers, vor allem der Augen, Atemwege und des Verdauungssystems, da sie den ersten Kontakt mit den allergenen Substanzen haben.

 

Allergischer Schnupfen - mögliche Auslöser

                            

Pflanzenpollen (Blüten, Gräser, Kräuter)

         

75% aller Patienten mit saisonalem allergischen Schnupfen reagieren auf eingeatmete Blüten- und Gräserpollen von etwa einem Dutzend bei uns heimischer Pflanzen, genauer gesagt auf Eiweißbestandteile ihres Blütenstaubs:

         

  • Frühblühende Bäume wie Hasel, Erle und Birke zwischen Februar und Mai
  • Gräser und Getreide, vorwiegend Roggen, zwischen Mai und Juli
  • Einige Kräuter im Frühherbst, z.B. Wegerich und Beifuß
  • Ein hohes allergisches Potenzial zeigt außerdem die Beifuß-Ambrosie (Traubenkraut), eine Pflanzenart, die vor einigen Jahren von Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde. Ihre Hauptblütezeit ist von August bis Oktober.

         

Ausscheidungen der Hausstaubmilben

         

Das zweithäufigste Allergen ist der Kot der Hausstaubmilbe. Die Hausstaubmilbe ist ein nur mikroskopisch sichtbares Spinnentier, das im Hausstaub lebt und sich von Hautschuppen, aber auch Schimmelpilzen sowie Bestandteilen von Mehlprodukten ernährt. Die Hausstaubmilbe ist natürlicher Bewohner in Bettdecken, Kopfkissen, Matratzen, Teppichen und Plüschtieren. Ihre Lebensspanne beträgt zwei bis vier Monate. In dieser Zeit scheidet eine Milbe etwa das Zweihundertfache ihres Gewichts an Exkrementen aus.

         

Tiere - Haare & Ausscheidungen

         

Allergische Reaktionen auf Haustiere richten sich eigentlich gegen Urin-, Kot- oder Speichelreste, die an Tierhaaren oder Federn haften. Die Hauptverursacher sind Katzen, aber auch Hunde, Pferde oder Meerschweinchen sind nicht selten.

         

Pilzsporen

         

Eine weiteres häufiges Allergen ist die Gruppe der Schimmelpilze. Schimmelpilze sind eigentlich natürliche mikrobiologische Stoffe in der Umwelt. Sie finden sich in feuchter Raumluft, Pflanzenerde, auf Möbelstücken oder Tapeten. Aufgrund der verbesserten Wärmedämmung in Gebäuden und dem daraus resultierenden unzureichenden Luftaus-tausch finden die unterschiedlichen Schimmelpilze zunehmend idealen Nährboden.

         

Berufsallergien durch bestimmte Stoffe & chemische Substanzen

         

Verschiedene Berufsgruppen haben ebenfalls mit potenziellen Allergenen zu kämpfen, die einen allergischen Schnupfen hervorrufen können: Bäcker und Müller durch ständigen Kontakt mit Mehl, Tischler und Schreiner bei der Verarbeitung exotischer Hölzer, medizinisches Personal durch Latex, das Material aus dem die sterilen Einmalhandschuhe hergestellt werden.

         

Lebensmittel

         

Seltener verursachen Lebensmittelallergien als Fernreaktion einen allergischen Schnupfen. Schwerwiegender sind jedoch Sofortreaktionen auf Lebensmittel, die schnell zu Schwellungen im Mundbereich, Kehlkopfbereich oder den Bronchien führen. Sie werden überwiegend durch Milch, Eier, Fisch, Meeresfrüchte und Nüsse ausgelöst.

         

Viele Patienten mit Heuschnupfen reagieren zusätzlich auf Nahrungsmittel. In diesen Fällen spricht man von einer Kreuzallergie. Nahezu jeder 2. Allergiker, der an einer Pollenallergie leidet, verträgt oftmals kein Stein- oder Kernobst. Gräserpollen-Allergiker haben nicht selten Probleme mit Karotten, Sellerie, Beifuß oder Hülsenfrüchten.   

 

Einteilung der verschiedenen Allergie-Formen

                            

Das breite Spektrum der Allergien wird im Alltag anhand der Allergene bzw. dem Aufnahmeweg in den Körper klassifiziert. Ein Allergen kann bei zwei Menschen ganz unterschiedliche Beschwerden hervorrufen.

         

  • Der allergische Schnupfen wird durch eine Inhalations-Allergie, d.h. über das Einatmen der Allergene wie Pollen, Hausstaub (bzw. dem Kot der Milben) usw. verursacht.
  • Eine Kontaktallergie liegt bei Hautreaktionen nach Kontakt mit bestimmten Stoffen wie Nickel, Chlor, Latex, Reinigungsmitteln oder Kosmetika vor.
  • Bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten, allen voran das Antibiotikum Penicillin, können eine Arzneimittel-Allergie auslösen.
  • Bienen- oder Wespenstiche verursachen eine Insektenstich-Allergie.

         

Die Mediziner nehmen jedoch eine Einteilung nach der jeweiligen Reaktion des Immunsystems vor. Hierbei handelt es sich eigentlich um natürliche Antworten des Abwehrsystems, die bei Allergien allerdings zu heftig ausfallen und daher eine Erkrankung hervorrufen:

         

  • Typ 1, Allergie vom Soforttyp: Direkt nach dem Kontakt mit dem Allergen wird der passende Antikörper gebildet, in diesem Fall der so genannte Immunglobulin-E (Ig-E)Antikörper. Hierzu gehören die Inhalationsallergie, bei der die Betroffenen u.a. mit allergischen Schnupfen reagieren, aber auch die Insektengift- und Nahrungsmittelallergie.

         

  • Typ 2, die zytotoxische Reaktion: In seltenen Fällen bildet der Körper bestimmte Antikörper, die Immunglobuline-G und -M gegen körpereigene Antigene, was als Reaktion auf bestimmte Medikamente eintreffen kann. Dadurch werden zusätzlich gesunde Zellen zerstört, u.a. kann die Zahl der weißen und roten Blutkörperchen bedrohlich absinken.

         

  • Typ 3, die Immunkomplexbildung: Ähnlich der Reaktion vom Typ 2 binden sich die Antikörper (auch Ig-G und -M) an die Antigene und bilden größere Einheiten, die als Immunkomplexe bezeichnet werden. Schimmelpilze oder der Kot von Tauben lösen beispielsweise nach etwa 6 bis 12 Stunden eine Verstopfung kleiner Blutgefäße aus. Gewebe oder schlimmstenfalls sogar ganze Organe sterben auf diese Weise ab.

         

  • Typ 4, die zelluläre Immunantwort: Diese Reaktion wird auch Spättyp genannt, da sie erst 24 bis 72 Stunden nach dem Kontakt beginnt, um dann sehr heftige Reaktionen auszulösen. In diesen Fällen sind allerdings keine Antikörper, sondern die so genannten T-Zellen des Immunsystems beteiligt. Als Beispiel sei die Kontaktallergie genannt.

 

Allergie - Ursachen und Risiken

                            

Bislang ist ungeklärt, warum bestimmte Stoffe bei manchen Menschen eine allergische Reaktion auslösen und warum andere Menschen ihr Leben lang unbehelligt bleiben.

         

Inzwischen ist zumindest eine Reihe von Faktoren bekannt, die das Risiko einer allergischen Erkrankung erhöhen. Oftmals ist es eine Kombination mehrerer Faktoren.

         

  • Genetische Vorbelastung (Atopie): Das Risiko einer Überempfindlichkeit des Immunsystems scheint in den Genen zu liegen. Je mehr Mitglieder einer Familie an einer Allergie leiden, desto größer ist das Risiko für die Nachkommen in dieser Familie. 150 Genvarianten, die Allergien begünstigen, wurden bereits wissenschaftlich nachgewiesen. Haben beide Eltern Allergien, sind zwischen 50 und 80% der Kinder betroffen, bei einem Elternteil sind es immerhin noch 20 bis 40%.
  • Übertriebene Hygiene: Die verbesserten hygienischen Verhältnisse haben in den vergangenen Jahrzehnten zur Ausrottung der meisten Infektionskrankheiten geführt. Das hat zur Folge, dass unser Immunsystem heutzutage sozusagen unterfordert ist und sich nun auf völlig harmlose Stoffe stürzt. So wird erklärlich, dass Kinder, die auf einem Bauernhof leben und dort mit einer Vielzahl von Erregern in Kontakt kommen, weniger an Allergien erkranken als Stadtkinder.

                         

 

         

  • Luftverschmutzung: Hohe Feinstaubbelastung - vornehmlich durch Auto- und Industrieabgase - scheint die Wirkung bestehender Allergien zu verstärken. Die sehr feinen Partikel dringen tief in die Lunge ein, die Schleimhaut der Atemwege wird durchlässiger und ruft entzündliche Reaktionen hervor. Der komplette Prozess, der sich im menschlichen Körper hierbei abspielt, ist bislang allerdings unklar.
  • Zigarettenrauch: Er führt vermutlich zu Genveränderungen, die das Immunsystem schädigen. Kinder von Müttern und Großmüttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, sind bis zu 60% gefährdeter. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko für die Entwicklung von Allergien.
  • Nicht Stillen: Kinder, die mindestens vier Monate ohne Beikost gestillt werden, erkranken seltener an Allergien als nicht gestillte Kinder.
  • Ernährung/Moderner Lebensstil: Farb- und Konservierungsstoffe sowie Verdickungsmittel in Nahrungsmitteln gelten als Allergie auslösend. Hoher Konsum von einfach ungesättigten Fettsäuren wie sie in Butter oder Margarine enthalten sind, fördert bei Männern das Risiko eines allergischen Schnupfens.
  • Überlebensstrategie der Pflanzen: In der aktuellen Diskussion steht die Frage, ob Pflanzen aufgrund vermehrter Boden- und Luftschadstoffe, Nährstoffmangel usw. ihre Pollen verstärkt und in aggressiverer Form produzieren, um ihre Fortpflanzung zu sichern.
  • Lebensalter: Das Lebensalter beeinflusst scheinbar die Allergieauslöser. Kleine Kinder reagieren häufiger mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit als auf Pollen. Mit zunehmendem Alter kehrt sich dieses Verhältnis um. Heutzutage kann man nicht mehr davon ausgehen, dass eine Allergie mit zunehmendem Alter schwächer wird. Es werden sogar noch Patienten über 70 Jahre mit einer „Allergie-Impfung“ (Hyposensibilisierung) behandelt, da sie so starke Allergie-Symptome aufweisen.
  • Stress: Die Psyche spielt bei Allergien vermutlich ebenfalls eine Rolle. Unter den Stressfaktoren sind emotionale Belastungen wie beispielsweise der Tod oder eine schwere Erkrankung naher Angehöriger sowie private Konflikte besonders relevant.

        

Allergischer Schnupfen – Anzeichen und Verlauf

                            

Beim allergischen Schnupfen schwillt die Nasenschleimhaut an, wässriger, klarer Schnupfen läuft aus der Nase, es kommt zu Niesattacken mit Juckreiz. Später wird die Nasenschleimhaut trocken. Bei saisonaler allergischer Rhinitis erscheint sie bläulich verfärbt, bei der nicht-saisonalen Variante hochrot entzündlich.

         

Als begleitendes Symptom ist häufig die Bindehaut der Augen gerötet, die Augen tränen und jucken ebenfalls (allergische Bindehautentzündung, Konjunktivitis allergica), die Augenlider schwellen an. Gesteigerte Lichtempfindlichkeit kommt hinzu.

         

Die Betroffenen leiden manchmal unter Juckreiz am Gaumen und im Rachenraum bis hin zu den Ohren. Seltener sind Beschwerden auf der Haut mit Juckreiz, Quaddelbildung und Rötung.

         

Beeinträchtigen die Symptome sehr, kann es zu Konzentrations- und Schlafstörungen kommen, das Allgemeinbefinden leidet. Häufig schildern die Patienten auch grippeähnliche Beschwerden.

         Inhalationsallergiker haben unabhängig von den allergischen Anfällen häufig leicht irritierbare Nasenschleimhäute. Zigarettenqualm, Duft- und Aromastoffe, größere Temperaturunterschiede oder körperliche Anstrengung können ebenfalls Schnupfen und eine verstopfte Nase hervorrufen. Bei langjährigen Allergikern vergrößern sich gelegentlich die Nasenmuscheln. Die dauerhafte Entzündung der Nasenschleimhaut kann eine Operation an den Nasennebenhöhlen, am Mittelohr oder den Nasenmuscheln erforderlich machen, der Riechsinn kann nachhaltig beeinträchtigt werden. 

 

    

Allergischer Schnupfen – mögliche Komplikationen

                            

Als mögliche Komplikationen einer allergischen Rhinitis sind Nasennebenhöhlenentzündungen, Tubenventilationsstörungen, Paukenergüsse sowie eine allgemein verstärkte Neigung zu Infekten bekannt.

         

In schweren Fällen kann sich aus dem allergischen Schnupfen ein allergisches Bronchialasthma (Asthma bronchiales) mit Husten, Atemnot und daraus resultierenden Angstzuständen entwickeln. Diesen Prozess nennt man aufgrund des Beschwerdewechsels von den oberen zu den unteren Atemwegen Etagenwechsel, der bei 30% aller Patienten mit allergischem Schnupfen durchschnittlich innerhalb von 10 Jahren auftritt.   

         

In seltenen Extremfällen führt eine allergische Reaktion zu einem anaphylaktischen Schock mit massivem Blutdruckabfall, Atem- und Kreislaufstillstand. Hierbei handelt es sich immer um einen ärztlichen Notfall! Allergiker sollten immer ein Notfall-Set bei sich tragen. Insbesondere Insektenallergiker, aber auch Patienten mit einem oralen Allergie-Syndrom.

 

Allergischer Schnupfen – Untersuchungen und Diagnose

                            

Der HNO-Arzt wird zunächst erfragen, in welchen Situationen bzw. zu welcher Zeit, welche Beschwerden auftreten. Dabei können Auskünfte über das berufliche Umfeld, die Freizeitgestaltung, erbliche Vorbelastung sowie regelmäßiger Kontakt zu Tieren aufschlussreich sein.

         

Eine Untersuchung des Nasen-Rachen-Raums mittels Rhinoskopie mit dem Mikroskop oder dem Endokop und bei Notwendigkeit mit Untersuchung der Nasennebenhöhlen mittels Ultraschall dient der Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, z.B. zu einer Erkältung oder einer unspezifischen nasalen Hyperaktivität (hyperreflektorische Rhinitis). Veränderungen der Nasenschleimhäute geben wichtige erste Aufschlüsse.  

         

Allergie-Testung

         

Erhärtet sich der Verdacht auf einer Allergie, stehen verschiedene Allergietests zur Verfügung.

         

Der am meisten genutzte Allergietest ist der Pricktest. Häufige Allergene werden als Flüs-sigkeit an vorher markierten Stellen auf die Haut des Unterarms geträufelt und können nach einem kleinen Eindruck mit einer Prick-Lanzette in die oberste Hautschicht eindringen. Es erfolgt dann eine Wartezeit von etwa 25 Minuten. Reagiert der Patient auf eine Lösung sensibel, bilden sich Quaddeln und/oder Rötungen. Manchmal sind sogar Ausläufer , so genannte Pseudopodien sichtbar. Um die Allergene auswertbar zu machen, benötigt man  Kontroll- bzw. Vergleichslösungen. Dazu werden  eine neutrale Kochsalz-Flüssigkeit (hier wird keine Reaktion auf der Haut erwartet) und eine Histamin-haltige Reizlösung (kräftige Reaktion auf der Haut erwartet) verwandt.

         

Nach diesem Muster funktionieren außerdem der Reibtest - das Allergen wird mit Druck auf der Haut verrieben - sowie der Scratchtest mit einem leichten Ankratzen der Haut.

         

Der Intrakutantest wird seltener angewendet, da er etwas aufwändiger ist. Jede Allergenlösung wird hierbei gesondert unter die Haut gespritzt.

         

Blutuntersuchungen - RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test) oder EAST (Enzym-Allergo-Sorbent-Test) genannt - bestimmen die Konzentrationen des allergietypischen Antikörpers Immunglobulin E (IgE). Der Wert dieser Antikörpergruppe ist bei Menschen mit allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Typ I) gegenüber Gesunden in der Regel erhöht. Leider ist dieser Test nicht vollständig aussagekräftig, da die Werte bei manchen Allergikern trotzdem im Normalbereich liegen oder bei Menschen aufgrund anderer Erkrankungen erhöht sind.

         

Ist die Zuordnung von allergischen Beschwerden zu einem Auslöser schwierig, wird bei einem Provokationstest ein Allergenextrakt direkt auf die Nasenschleimhaut gebracht.  Hierbei wird die Dosierung so lange gesteigert bis eine positive Reaktion erzeugt wird.

 

Allergischer Schnupfen - Behandlung beim HNO-Arzt

                            

Bei wiederkehrenden oder anhaltenden allergischen Symptomen sollte man den Besuch bei einem HNO-Arzt nicht aufschieben. Zum einen verläuft der entzündliche Prozess im Körper mit medikamentöser Unterstützung wesentlich schneller und die Beschwerden verschwinden rasch. Zum anderen werden Komplikationen wie der Etagenwechsel (beinhaltet in jedem Fall eine Verschlechterung der allergischen Symptome), d.h. die Verlagerung der Beschwerden auf die unteren Atemwege, verhindert.

         

Eine wirkungsvolle Therapie besteht theoretisch darin, den Kontakt mit den Allergenen zu vermeiden (Allergen-Karenz). Da sich das in den seltensten Fällen vollständig bewerkstelligen lässt, verabreicht der Arzt Medikamente, die die Beschwerden lindern oder gar nicht erst auftreten lassen. Darüber hinaus wird Ihr HNO-Arzt Sie ausführlich zu einer möglichen Immuntherapie, einer Hyposensibilisierung beraten. Diese Therapieform sollte bei allergischen Beschwerden und entsprechendem AllergenNachweis möglichst rasch erfolgen, da nur sie als einzige Therapiemethode nachweisbar ein Auftreten weiterer Allergien und vor allem die Entstehung eines chronisches Bronchialasthmas verhindern kann.

         

Linderung der Beschwerden

         

Die Symptome Schnupfen, geschwollene Nasenschleimhaut und Bindehautentzündung der Augen lassen sich mit Medikamenten aus der Familie der Antihistaminika (H 1-Blocker) abschwächen. Hierbei werden die Allergie auslösenden Substanzen an den Andock-Stellen (Rezeptoren) im Körper in ihrer Wirkung eingedämmt.

         

Als Wirkstoffe werden Azelastin, Cetirizin, Clemastin, Dimentinden, Levocabastin und Loratadin eingesetzt, die es als Augentropfen, Nasenspray, Tropfen, Saft und Tabletten gibt. Die Wirkung der Antihistaminika tritt sehr rasch ein. Bislang war Müdigkeit eine unliebsame Nebenwirkung, die bei der neuen Wirkstoffgeneration allerdings nur noch selten beobachtet wird. Ebenfalls selten treten Sehstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit als Nebenwirkung auf.

         

Cromoglicinsäure stabilisiert die Zellwand der Mastzellen und hemmt auf diese Weise die Histamin-Ausschüttung. Die so genannten Mastzell-Stabilisatoren sind als Augentropfen, Nasenspray, Kapseln, Tropfen oder Inhalationslösung erhältlich. Das Medikament wirkt nur bei vorbeugender und regelmäßiger Anwendung und müsste schon vor der Saison bereits begonnen werden - dieses wird jedoch nur selten vom Patienten umgesetzt. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen.

         

Bei starken Beschwerden oder Nichtwirkung der Antihistaminika bzw. Mastzell-Stabilisatoren wird der HNO-Arzt kortisonhaltige Präparate, wie z.B. Beclomethason oder Fluticason empfehlen, die meist als Nasenspray verwendet werden. Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das entzündungshemmend wirkt. Da sich die vollständige Wirkung erst nach 12 bis 36 Stunden entfaltet, ist eine vorbeugende Anwendung sinnvoll. Bei kurzzeitiger örtlicher Anwendung von Kortison sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten.

         

Bei sehr verstopfter Nase oder heftigen Augensymptomen können Nasensprays bzw. Augentropfen mit gefäßverengenden Substanzen wie Oxymetazolin, Xylometazolin oder Tetryzolin verabreicht werden. Aufgrund des Gewöhnungseffekts sollte die Anwendung nicht länger als 7 Tage stattfinden (Privinismus). Leidet der Betroffene gleichzeitig unter Bluthochdruck oder Herz-Rhythmus-Störungen ist bei der Verwendung grundsätzlich Vorsicht geboten. 

         

Weitere Behandlungsoptionen

         

Naturheilverfahren wie die Akupunktur zeigen bei allergischem Schnupfen durchaus Behandlungserfolge. Hierzu existieren allerdings nur wenig wissenschaftliche Studien.

         

Chirurgische Maßnahmen greifen bei ständig verstopfter Nase. Hierbei handelt es sich um eine Verkleinerung der Nasenmuscheln und bei Erfordernis die Korrektur der Nasenscheidewand.

 

Allergie - Hyposensibilisierung

                            

Die Hyposensibilisierung bzw. spezifische systemische Immuntherapie (SIT) dient der Ursachenbekämpfung. D.h. das Immunsystem wird wieder toleranter gegenüber dem zum Allergen gewordenen Stoff aus der Umwelt gemacht. Dieses Ziel soll erreicht werden, in dem das Immunsystem lernt, keine IgE-Antikörper, sondern IgG-Antikörper zu produzieren. Die IgG-Antikörper bekämpfen normaler Weise Krankheitserreger und neu-tralisieren das Allergen, bevor es zur Bildung von IgE-Antikörpern mit Histamin-Freisetzung kommt.

         

Bei dieser Behandlungsform wird das Allergen in verdünnter und chemisch etwas veränderter Zusammensetzung in langsam ansteigender Dosis unter die Haut gespritzt. Alternativ gibt es die Möglichkeit, Tropfen einzunehmen, was bei Kindern oder sehr empfindlichen Patienten günstiger sein kann. Die Behandlung beginnt in der beschwerdefreien Zeit, bei Pollenallergikern meist im Herbst. Bei zeitlich unabhängigen Allergien kann die Hyposensibilisierung das gesamte Jahr über erfolgen. Da es in den ersten 30 Minuten nach der Therapie zu Schockreaktionen des Körpers kommen kann, muss der Patient in dieser Zeit unter strenger ärztlicher Beobachtung bleiben.

         

Die Therapie sollte laut offizieller Empfehlungen über drei Jahre durchgeführt werden. Daneben sind in einzelnen Fällen inzwischen Kurzzeittherapien über einige Wochen oder eine Cluster-Immuntherapie möglich, die nur eine Woche dauert. Die Behandlung zeigt den größten Erfolg bei Kindern und Jugendlichen sowie in den ersten Jahren nach Auftreten des allergischen Schnupfens.

         

Für erwachsene Pollenallergiker stehen auch verschiedene Immuntherapeutika zur Einnahme zur Verfügung, wie Tropfen oder die "Gräserimpftablette", die einmal täglich über drei Jahre im Mund aufgelöst werden muss. Für starke Asthmatiker wird die Behandlung nicht empfohlen. Weitere Anwendungsgebiete sind in der Erforschung.

         

Ihr HNO-Arzt berät Sie, welche Therapieform für Sie am besten geeignet ist.

 

Allergischer Schnupfen - Ratschläge für Betroffene

                            

Um möglichst schnell den allergieauslösenden Stoff identifizieren zu können, ist es ratsam, ein Allergietagebuch zu führen. Darin sollte man vermerken, in welcher Situation bzw. zu welcher Zeit, welche Beschwerden aufgetreten sind und wie lange sie angedauert haben. Das Tagebuch ist für den Besuch beim HNO-Arzt hilfreich.

Patienten mit schwerer Allergie sollten für den Fall eines anaphylaktischen Schocks in Absprache mit ihrem HNO-Arzt immer Medikamente (z.B. Adrenalin-Injektion) für den Notfall mit sich führen und sich einen Allergiepass ausstellen lassen.

         

Tipps für Pollenallergiker

         

  • Pollenflugkalender und die aktuellen Vorhersagen im Radio oder Internet geben Auskünfte über die jeweilige Situation.
  • Pollenallergiker sollten versuchen, ihren Jahresurlaub in die daheim belastungsstärkste Zeit zu verlegen und diesen in pollenärmeren Gebieten wie den Nordseeinseln oder dem Hochgebirge zu verbringen. Ab etwa 1.200 bis 1.500 Höhenmetern beginnt die pollen- und milbenarme Zone.
  • Der Pollenflug auf dem Lande ist morgens am schlimmsten, in der Stadt am Abend. Daran sollten Sie das Lüften und Ihre Freiluftaktivitäten ausrichten.

         

  • Die Wohnung ist nur stoßweise zu lüften, in der Stadt am besten morgens zwischen 6 und 8 Uhr, in ländlichen Regionen zwischen 19 und 24 Uhr.
  • Die Zeit nach einem Regenschauer eignet sich gut für Spaziergänge, da die Luft durch das Wasser von Schwebepartikeln gereinigt ist.
  • Den Pollenallergenen verwandte Lebensmittel sollten Sie zumindest während der Allergiesaison aufgrund möglicher Kreuzallergien meiden. Das gilt auch für einheimische Teesorten und Honig.
  • Pollenschutzgitter vor den Wohnungsfenstern und ein Pollenfilter im Auto können einen großen Teil der Pollen abhalten.
  • Abends sollten die Haare gewaschen werden, die Garderobe vom Tag keinesfalls im Schlafzimmer liegen lassen.

         

Tipps für Hausstaubmilben-Allergiker

         

  • Spezielle Schutzbezüge für Matratzen und Bettdecken (encasings) halten die lästigen Tiere an ihrem Ort.
  • Bettinnendecken und Kissen sind alle vier Wochen zu waschen oder reinigen. Matratzen regelmäßig wenden.
  • Tragen Sie möglichst körperbedeckende Schlafanzüge, um die Hautschuppen nicht so sehr im Bett zu verteilen.
  • Stofftiere, die nicht waschbar sind, kann man bei mindestens -18°C in das Gefrierfach legen. Anschließend müssen sie gut durchtrocknen.
  • Wäsche ist bei mindestens 60°C zu waschen, ggf. milbenabtötende Waschmittelzusätze verwenden.
  • Auf Vorhänge, Teppiche, Sofakissen sowie „Staubfänger in Regalen" sollten Sie verzichten und stattdessen Möbel aus Leder, Holz, Metall und Glas bevorzugen.
  • Überlassen Sie das Staubsaugen und Staubsaugerbeutel wechseln besser nichtallergischen Familienmitgliedern, auch wenn es inzwischen Geräte mit speziellen Feinfiltersystemen gibt.
  • Lebensmittel sind nur kurz, trocken und kühl aufzubewahren.

         

Tipps für Schimmelpilz-Allergiker

         

  • Alle Feuchtbereiche in der Wohnung sollten stets gut gelüftet werden.
  • Bei einer Schimmelpilz-Allergie sollten Sie sparsam mit Zimmerpflanzen sein, in das Schlafzimmer gehören diese überhaupt nicht.
  • Für Hobby-Gärtner ist Vorsicht geboten: Die Erde, modriges Laub und der Kompost im Garten sind Schimmelpilz-Biotope!
  • Lebensmittel sind nur kurz, trocken und kühl aufzubewahren.

 

Allergischer Schnupfen - Vorsorge

                            

Außer der Hyposensibilisierung gibt es keine speziellen Vorsorgemaßnahmen gegen den allergischen Schnupfen bzw. gegen Allergien allgemein. Grundsätzlich sinnvoll sind der Verzicht aufs Rauchen sowie eine gesunde Ernährung mit möglichst wenigen Fertigprodukten.

         

Übertriebene Hygiene, z.B. mehrmaliges Duschen am Tag oder täglicher Wohnungsputz mit aggressiven Reinigern, sollte man unterlassen. Kinder dürfen ruhig draußen toben und im Matsch spielen.

         

Um dem eigenen Kind eine gute Voraussetzung zu schaffen, wird von Fachleuten das Stillen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten ohne Zufütterung empfohlen. Falls Stillen nicht oder nicht ausreichend möglich ist, sollten Sie sich hinsichtlich der Verwendung hypoallergener Säuglingsnahrung fachlich beraten lassen.

         

Kinder, auch Risikokinder, sollten nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft werden, da Impfungen vermutlich das Allergierisiko senken können.

 

 

 

 

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